NB: Samuel has translated Max Krah’s article here:

Max Krah Against Catholic Modesty

In the previous post, we contrasted publicly posted immodest pictures from Max Krah’s Facebook page, with Church teaching on modesty under each of the three pictures, to highlight the apparent contradiction.  In this post, we share with you Max Krah’s October/2015 contemptuous and subversive thoughts which serve to undermine all concept of Catholic modesty and femininity.  

Not even the Blessed Virgin is spared, as the pics in the article include a painting of a topless Virgin Mary (scribbled over to restore piety)!  

 One wonders whether Bishop Fellay fears to correct this man (or whether he is precluded somehow from doing so), who so flagrantly ridicules Catholic morality; particularly curious in the hyper self-conscious branded era of the NSSPX.  Max Krah does not portray himself as one who has any regard for the sensibilities of SSPX faithful (or a fear of repurcussions from Menzingen, for that matter, which is also curious).

You may use the translator bar in the side column of this blog to make a barely tolerable German translation, which is nevertheless sufficiently intelligible to make the point.

UPDATE: Samuel (of ABLF3.com) is going to try to find time to translate the German to English, so if you can’t bear the Google translation, check back soon

 

 

Von Mode und Moral

Warum eine religiöse Bewegung, die ihre Glaubensinhalte durch den Kult tradieren will, in ihrer Pastoral besonders die Kultur betonen sollte.

von Dr. Maximilian Krah, Dresden

Das Thema Mode und Moral ist ein Dauerbrenner im konservativen katholischen Milieu. Wie ich zu der fast immer verklemmten, teilweise grotesken, oft abstoßenden Diskussion stehe, habe ich nie verheimlicht. Entsprechend direkt habe ich auf die Fragen von Matthias für „The Cathwalk“ geantwortet. Die Wellen, die ich damit geschlagen habe, überraschen mich dennoch; offensichtlich beschäftigt das Thema tatsächlich viele Christen im Inneren, wirft Fragen auf und schafft Probleme. Ich will deshalb das, was ich im Format des Interviews notwendigerweise kurz, knapp und kontrovers gesagt habe, im Format des Essays differenzieren, begründen und fortführen.

IMG_8940

Die Wellen, die Maximian Krah mit seinem Interview geschlagen hat, überraschen ihn: „Offensichtlich beschäftigt das Thema tatsächlich viele Christen im Inneren, wirft Fragen auf und schafft Probleme.“

Wer sich entscheidet, einen Teil seines Vermögens in Aktien zu investieren und sich in das Abenteuer der Börse stürzt, tut gut daran, im Vornherein die Kurse festzulegen, bei denen er wieder aussteigt – denn ist er einmal drin, geht ihm die Nüchternheit verloren, die er hat, wenn er noch nicht investiert ist. Ob Hoffnung auf die Kurskorrektur oder Gier nach einem noch höheren Gewinn – es gibt viele Ursachen dafür, den klaren Blick zu verlieren. Nichts anderes gilt auch, wenn man sich auf das katholische Abenteuer einlässt. Man sollte zuvor definieren, was unverhandelbar ist. Denn in unserer säkularen Gesellschaft ist das religiöse Milieu eine eigene Welt, und es besteht das Risiko, sich nur mehr nach deren Koordinatensystem auszurichten und die umfassenden Maßstäbe aus den Augen zu verlieren.

Ich habe für mich drei Grenzen definiert: meine Freunde sind nicht verhandelbar, meine politischen Überzeugungen stehen nicht zu Disposition und mein Kleidungsstil ebenso wie der meiner Familie geht niemanden etwas an. In allen drei Punkten gab es Konflikte mit religiösen Eiferern: Das Misstrauen gegenüber meinen jüdischen Freunde bescherte mir 2010/11 einen globalen Shitstorm unter dem lächerlichen Namen „Krahgate“. Meine politische Meinung – ich bin in gesellschaftspolitischen Fragen ein klassischer kontinentaleuropäischer Konservativer, ökonomisch ein angelsächsisch geprägter Neoklassiker und außenpolitisch ein Realist im Sinne Henry Kissingers – galt den zahlreichen Anhängern der verschiedensten, durchweg hanebüchenen und sich untereinander munter widersprechenden Verschwörungstheorien, zumindest darin waren sie sich einig, als verdächtiges Linksabweicheln. Und hinsichtlich Kleidung, Stil und Geschmack ist der Dissens eine Erkenntnis des ersten Blicks.

"Ich bin in gesellschaftspolitischen Fragen ein klassischer kontinentaleuropäischer Konservativer, ökonomisch ein angelsächsisch geprägter Neoklassiker und außenpolitisch ein Realist im Sinne Henry Kissengers"

„Ich bin in gesellschaftspolitischen Fragen ein klassischer kontinentaleuropäischer Konservativer, ökonomisch ein angelsächsisch geprägter Neoklassiker und außenpolitisch ein Realist im Sinne Henry Kissengers“

Dabei ist es natürlich vor allem die Kleidung der Frauen, die im besonderen Interesse steht. Und das ist Ausdruck des vorherrschenden Frauenbildes. Es beginnt beim Beten des „Ave Maria“. „In mulieribus“ heißt im heutigen Deutsch nun einmal „unter den Frauen“ und nicht „unter den Weibern“, weil die lateinische „mulier“ kein Pejorativ ist, das deutsche „Weib“ aber sehr wohl. Das mag um 1800 anders gewesen sein, seit mindestens 100 Jahren ist es aber so, und weil die deutsche Sprache eine lebendige Sprache ist, ist eine Übersetzung mit „unter den Weibern“ nicht nur falsch, sondern eine Abwertung aller Frauen, die Jungfrau Maria eingeschlossen.

Diese Frauenfeindlichkeit hat, soweit ich es sehe, zwei Ursachen; eine intellektuelle und eine sexuelle. Intellektuell wird einfach die Entwicklung der Geschlechterrollen nicht verstanden. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde wirtschaftlicher Wert im wesentlichen durch physische Arbeit geschaffen. Und weil Männer nun einmal mehr Muskeln haben als Frauen, verdienten sie das Geld, während Frauen allein kaum ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten. Aus dem wirtschaftlichen Ungleichgewicht folgte ein hierarchisches. Heute ist wirtschaftlicher Erfolg aber ein Ergebnis von Intelligenz, Kreativität und Kommunikation. Und hierin sind Frauen im Durchschnitt sogar besser als Männer, womit es an der ökonomischen Basis für ein Hierarchieverhältnis fehlt. Dieses kann man dann aber nicht religiös begründen, weil die Religion, zumindest im Katholizismus, nicht gegen die Realität steht, sondern auf sie aufsetzt: Gnade setzt Natur voraus.

Die Probleme im Umgang mit Frauen – selbstbewussten, intelligenten, attraktiven allzumal – haben aber auch eine sexuelle Ursache. Das religiöse Milieu leidet an einer Überbetonung des Sechsten Gebots. Theologisch wird es mit der „Materias-gravis“-Lehre begründet, wonach alle Verstöße gegen das Sechste Gebot schwere Sünden seien und deshalb das Sechste Gebot eine Sonderstellung im Dekalog einnehme. Diese Theorie ist schon in den 1950ern widerlegt worden; sie ist falsch und verkehrt die christliche Botschaft in ihr Gegenteil. Aus ihr fließt aber bis heute eine ungesunde Prüderie, die jeden unbefangenen Umgang mit Sexualität unmöglich macht und unsichere, verklemmte und notgeile Männer hervorbringt. Ihre Schwäche Frauen gegenüber versuchen sie durch Machogehabe zu kompensieren, die Forderung nach weiblicher Unterordnung ist mehr Rufen im Walde denn Ausdruck wahrer Stärke und Souveränität. Und dass es immer hässliche, enttäuschte und verbitterte Frauen gibt, die johlend dabei sind, wenn schwache Männer sich an ihren attraktiven, optimistischen und fröhlichen Geschlechtsgenossinnen abarbeiten, ist leider nichts Neues.

Beide Defizite kumulieren in der Modediskussion. Denn Mode ist, wie der Name schon sagt, zeitabhängig. Sie ist auf der Makroebene Ausdruck gesellschaftlicher Trends, Vorstellungen und Hierarchien. Auf der Mikroebene ist sie das Ausdrucksmittel des eigenen Charakters wie der Gruppenzugehörigkeit. Die Veränderung der Geschlechterrollen spiegelt sich in der Damenmode wieder, und zwar schon seit den 1920ern, weshalb es so lange schon absurde kirchliche Stellungnahmen zum Thema gibt. Auch die Überwindung einer übertrieben repressiven Sexualmoral sehen wir an den Rocklängen. Der Versuch, die Entwicklungen der letzten elf Jahrzehnte durch Kleiderregeln zu besiegen, ist ersichtlich untauglich. Er macht aus einer religiösen Bewegung einen Trachtenverein. Zudem ignoriert er die Individualität der Gläubigen, in dem er eine Art Uniform schafft. Damit bestätigt er die Kritik der Gegner und desavouiert das eigene religiöse Anliegen.

Die als Hilfsargumente vorgebrachten theologischen Begründungen machen es nicht besser. Gegen die Damenhosen wird eingewandt, diese seien „Männerkleidung“, und Frauen sollten nur „Frauenkleidung“ tragen. Woher nimmt die Theologie die Erkenntnis, dass eine Hose „Männerkleidung“ sei? Ja wohl nicht aus der Offenbarung, denn die äußert sich zu derlei Fragen nicht. Zu entscheiden, was Männer-, was Frauenkleidung ist, fällt nicht in die Definitionsmacht der Theologie, sondern muss von dieser aus anderen Wissenschaften übernommen werden. Hier kommt nur die Sozialforschung in Betracht. Diese arbeitet empirisch. Der quantitative Befund ist aber eindeutig: es werden mehr Damenhosen als Röcke produziert und verkauft. Damit lässt sich die Aussage, Hosen seien „Männerkleidung“, nicht aufrecht erhalten.

Jean Fouquet (1420 – 1481) war ein französischer Buch- und Tafelmaler. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler an der Schwelle von der Spätgotik zur Frührenaissance.
Hier: Die thronende Madonna mit dem Christuskind um 1456 (Königliches Museum der Schönen Künste, Antwerpen). Krah dazu: „Ich kenne viele Marienbilder, aber Maria im Sack mit Wanderschuhen habe ich noch nicht gesehen.“

Die immer gern ins Feld geführten „moralischen“ Argumente führen auch nicht weiter. Natürlich war in den 1920ern eine freie Schulter ein Aufreger. Aber das ist heute anders. Im 15. Jahrhundert wurde die Muttergottes auf Gemälden gern „oben ohne“ dargestellt – im 19. Jahrhundert undenkbar. Was moralisch als angemessen gilt und was nicht unterliegt Wandlungen. Als Katholik sollte man sich Extremen verweigern, aber ansonsten mit der Zeit gehen. Ein Einfrieren der eigenen Maßstäbe zu irgendeiner willkürlich festgelegten Zeit ist intellektuell dürftig und keinesfalls ein religiöses Gebot.

Das Christentum ist keine Gesetzesreligion. Das Konzil von Trient hat den Satz kanonisiert, dass alle alttestamentarischen Speisevorschriften mit Christi Tod ihre Gültigkeit verloren haben und die Kirche nicht die Vollmacht habe, neue zu erlassen – und was für die Speisen gilt, das gilt auch für die Kleidung. Wer also aus dem Glauben meint Kleidungsregeln ableiten zu können, der betreibt mit großem Eifer eine Religion, die er nicht versteht.

Das bemerkenswerte Interesse am Modethema lässt sich aber nicht allein aus einem theologischen Missverständnis erklären. Kein „traditionalistisches“ Internetforum kommt ohne mehrere einschlägige Threads aus. Ich erinnere mich an das deutsche „Kreuzforum.net“, in dem sich ein Familienvater aus Niederösterreich ausgiebig zur Damenstrumpfhose ausließ. Diese sei nicht nur moralisch indiskutabel, sondern auch hygienisch abzulehnen, weil es zu einer starken Schweißbildung im weiblichen Genitalbereich komme – womit wir zumindest wussten, worum die sexuellen Phantasien dieses Moralisten kreisten. Die Modediskussionen sind, anders kann man es nicht erklären, das Ventil, über das viele sexuell unerfüllte und verklemmte Männer ihre Träume und Triebe artikulieren – und die Notgeilheit kommt zum Zuge, wenn dann irgendein Mädchen „zurechtgewiesen“ werden kann; wie peinlich, wie erbärmlich, ja wie abartig das ist, sollte man endlich diesen Typen klar machen.

Nur darum geht es. Ich kritisiere nicht diejenigen, die einfach keinen gesteigerten Wert auf Eleganz legen. Ich greife diejenigen an, die jene, die sich nicht nach ihrem Dresscode kleiden, verurteilen und sich moralisch über sie erheben. Wer meint, den Katholizismus dazu benutzen zu können, anderen Kleidungsvorschriften zu machen, der ist doof, verklemmt und verbittert. Und es ist nötig, dass diejenigen, die das nicht sind, das auch artikulieren und nicht um eines falschen Friedens willen schweigen und sich anpassen.

Mode ist ein komplexes Phänomen. Mode ist Kunst, Kultur, sie ist individueller Ausdruck, Bekenntnis zur eigenen sozialen Herkunft, aber auch ganz existentiell Wetterschutz. Ob man das Praktische, das Ästhetische oder das Soziale mehr betont ist eine individuelle Entscheidung. Ich persönlich denke, dass eine religiöse Bewegung, die ihre Glaubensinhalte durch den Kult tradieren will, in ihrer Pastoral besonders die Kultur betonen sollte. Vernunft, Schönheit, Nächstenliebe sind Kennzeichen richtig verstandenen Christentums. Zumindest modemäßig ist davon bei katholischen Traditionalisten kaum etwas zu erkennen. Die sackartigen Beinverhüllungen, gern zu irgendwelchen Wanderlatschen getragen und mit Regenjacken kombiniert, übertragen ihre Hässlichkeit auf das religiöse Anliegen. Wer will schon gerne beim Club der Hässlichen mitmachen? Frische, fröhliche, mutige Frauen braucht die Kirche, gut gekleidet, hübsch anzusehen, selbstbewusst und sexy – die Männer strengen sich dann schon von selbst an.

print